Was esst ihr zu Ostern?
Was wir essen?
Klingt zunächst, naja, wie: “was soll die Frage”?
qUnd angesichts der eben noch vollen Tafel (wir haben heute Frühstücksgottesdienst) einigermaßen überflüssig. Ich könnte auch fragen: entscheidet ihr euch eher für den Hasen oder für das Lamm?
Und das wir essen steht dabei außer Frage.
Es ist für uns etwas Selbstverständliches.
Weil es das eben nicht ist, ist diese Frage als Bitte in das Gebet der Gebete eingebetet.
… unser täglich Brot gib uns heute …
Wenn wir nun über Ostern reden, so ist das Essen, das es geben soll, eine wichtige, manchmal entscheidende Frage. Es wird geplant und eingekauft und natürlich soll es allen schmecken und vor allem auch reichen. Wir wollen unseren Gästen von allem reichlich geben.
Und interessanterweise ist Ostern auch sowas: wie von allem reichlich. Nur aus einem völlig anderen Blickwinkel.
Versuchen wir diese Bilder einmal nebeneinander zu stellen; einerseits die vollgedeckten Tische (wie bei uns heute morgen) in den Häusern und Wohnungen und andererseits den sauren Essig, den man Jesus reichte.
Ein krasser Kontrast, nicht wahr?
Aber ich möchte natürlich niemanden den Appetit verderben, ich möchte auf etwas anderes hinaus.
In unserer Welt (ich meine unsere wahrnehmbare Umgebung aus sozialen Beziehungen, mit Verwandtschaft, Freunden und Arbeitskollegen), sind solche Feste wie Ostern vor allem auch Familienfeste. Man trifft sich, redet miteinander, ißt miteinander und sieht sich mal wieder, was in unserer hektischen Welt selten genug geschieht. Und im Grunde ist das alles auch ganz gut so, denn es geht uns ja gut und so spricht ja nichts dagegen, wenn wir dieses auch genießen.
Und dennoch muss ich fragen: “Was ist Ostern für dich!”
Also welche Bedeutung hat dieses Fest, dessen Ursache nun schon über 2T Jahre zurückliegt, für dein Leben und für deinen Alltag?
Für die Antwort auf diese Frage gibt es kein Rezept, wie für den schmackhaften Osterbraten von Oma. Diese Antwort muss manchmal erkämpft, errungen werden und oft braucht es eine gehörige Portion Mut. Mut um das eigene Leben und auch die eigene Existenz zu hinterfragen.
Im Grunde läuft es darauf hinaus was dir näher scheint: ist es das Lamm oder der Hase?! Oder das Familienfest oder das verlassene Kreuz, dass für deine Rettung steht.F
Diese Bilder könnten widersprüchlicher nicht sein. Und sie zeigen auch den Widerspruch auf, indem viele Menschen Ostern feiern.
Ist es also entscheidend welche Motivation wir mit Ostern verbinden?
Unser Predigttext für heute stammt von Paulus, aus dem 1. Brief an die Korinther, Kapitel 15, die Verse 12-28. Ich möchte sie kurz lesen.F
Die Lehre von der Auferstehung der Toten
12 Wenn nun aber gepredigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt wurde, wie können da einige von euch sagen: „Es gibt keine Auferstehung der Toten“? 13 Wenn es nämlich keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden. 14 Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist auch unsere Predigt sinnlos und euer Glaube ohne Inhalt. 15 Wir würden dann auch als falsche Zeugen für Gott dastehen, denn wir hätten etwas über Gott ausgesagt, das nicht stimmt. Wir haben ja versichert, dass er Christus auferweckt hat, den er aber nicht auferweckt haben kann, wenn Tote überhaupt nicht auferweckt werden. 16 Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. 17 Wenn aber Christus nicht auferweckt wurde, ist euer Glaube sinnlos und ihr steckt immer noch in euren Sünden. 18 Und die, die im Vertrauen auf Christus gestorben sind, wären alle verloren. 19 Wenn wir nur für dieses Leben auf Christus hoffen, sind wir die bedauernswertesten von allen Menschen.
20 Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Allererste der Entschlafenen. 21 Weil durch einen Menschen der Tod kam, kommt auch die Auferstehung vom Tod durch einen Menschen. 22 Denn wie durch die Verbindung mit Adam alle sterben, so werden durch die Verbindung mit Christus alle lebendig gemacht werden; 23 und zwar jeder in der ihm bestimmten Reihenfolge: als Erster Christus, dann, bei seiner Wiederkunft, die, die zu ihm gehören. 24 Dann kommt die Vollendung, wenn Christus die Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt, sobald er jede andere Herrschaft, jede Gewalt und Macht beseitigt hat. 25 Denn Christus muss herrschen, bis er alle Feinde unter seinen Füßen hat. 26 Als letzten Feind vernichtet er den Tod, 27 denn: „Alles hat Gott ihm unterworfen, alles unter seine Füße gestellt.“ Wenn es nun heißt, dass ihm alles unterworfen ist, dann ist selbstverständlich der ausgenommen, der ihm alles unterworfen hat. 28 Und wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch der Sohn selbst dem unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei.
// Paulus: Induktion der Auferstehungslogik
Auf den ersten Blick scheint Paulus sich hier in einer Endlosschleife immer wieder um das eine Thema zu drehen. Denn es ist quasi nichts anders als die Induktion der Auferstehungslogik. Eine Begründung dafür, dass wir hier nicht von einer hypothetischen Geschichte lesen, sondern es genauso geschehen ist und wozu dieses Opfer Jesu nötig war. Paulus selbst betont auch, dass unser gesamter Glauben an der Wahrhaftigkeit dieser Geschichte hängt. Wenn man es zusammen schrumpft, lassen sich die Verse auf die Formel:
Wenn A und B möglich sind, aber B wahr ist, dann muss auch A wahr sein!
verkürzen. Das Gegenteil würde genauso gelten, doch dies ist ja nun, von Zeugen bezeugt, nicht eingetreten. Es ist sogar mehrfach durch die Propheten, die Jesus ja gar nicht persönlich kannten, angekündigt worden. Eine Ankündigung ist also eingetroffen. Damit ist auch die Beweisführung geschlossen. PUNKT!
Erst vor zwei Wochen haben wir von den Emaus-Jüngern gehört, die Jesus zwar erst nicht erkannten, doch hernach als Zeugen aufgetreten sind, nachdem sie ihn erkannt hatten. Auch die Frauen am Grab haben die Auferstehung Jesu bezeugt.
Dieses Zeugnis ist immens wichtig. Nicht damit wir etwas zu Ostern vorzulesen haben, sondern damit diese Logik, die Paulus gewebt hat, an Beweiskraft gewinnt. Ohne diese Zeugnisse wäre alles was wir den Leuten als Evangelium näher bringen wollen - eine Behauptung. Alles wäre Fakenews. Letzteres im besonderen, weil gewiesen Leuten dieses Evangelium nicht schmeckt.
Leider lernen wir aus der jüngeren Gegenwart wie fragil Tatsachen und Fakten sind, zumindest das was wir bisher dafür hielten. Doch wenn das was ich wahrnehme nicht mehr wahr sein soll, was ist dann noch wahr.
Ohne es zu merken verlieren wir dadurch jeden Bezug zu Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Wie könnten wir so etwas bezeugen, dass für niemanden “greifbar” ist?
Stellen wir uns mal vor, dass die Emaus-Jünger bezeugen Jesus gesehen zu haben, doch keiner würde ihnen glauben und sie sogar der Unwahrheit bezichtigen. Im Grunde kann uns dieses heute genauso passieren. Von daher spielen unsere Glaubwürdigkeit und die persönliche Beziehung, die wir zu den Menschen pflegen eine sehr wichtige Rolle. Auch deshalb, weil sich in unserer Gesellschaft ein Virus ausbreitet, der 1000fach gefährlicher ist als Corona und alle Influenza-Viren zusammen.
Misstrauen!
Dieser Virus kann jede Beziehung zwischen Menschen lähmen, ja sogar zerstören.
Dieser Virus kann sogar jede Beziehung zu Gott lähmen und zerstören!
Nun spricht Paulus auch von Vertrauen, dem Vertrauen in dem so viele Menschen auf Jesus gestorben sind (vgl. Vers 17). Ein Vertrauen das sich speist aus der Überzeugung, Jesus in der Auferstehung nachzufolgen. In Vers 18 betont Paulus, dass wir alle, die wir an diese Auferstehung glauben, die törichtsten dummen Leute wären, wenn wir unseren Glauben ausschließlich auf unser irdisches Leben beziehen würden. Und das ist doch auch irgendwie logisch, denn wer auf die Auferstehung glaubt, der glaubt an ein Leben nach dem irdischen Tod. Dieses zweite Leben wird genauso von unserem Glauben geprägt sein, wie das erste. Und das meine ich in zweierlei Hinsicht; siehe Daniel 12, 2:
Und viele von denen, die in der Erde ruhen, werden erwachen: die einen zum ewigen Leben und die anderen zu ewiger Schmach und Schande.
Dieses Vertrauen in die Wahrhaftigkeit der Auferstehung ist damit nicht nur eine “Glaubensfrage” sondern auch eine Ausrichtung, eine Vorwegnahme unseres “neuen” Wesens und unserer Zukunft. Diese Ausrichtung weist uns den Weg in unserem irdischen Jetzt und den Weg in unser zukünftiges Sein, ohne das unsere Seel, unser Geist getrennt wären. Beides ist miteinander verwoben und untrennbar miteinander verbunden. Keines gibt es einzeln. Wer sich für das irdische Sein entscheidet, entscheidet sich gegen Jesus und damit auch gegen seine Zukunft. Doch wer sich für Jesus entscheidet, der entscheidet sich für seine Zukunft und die Auferstehung, die Jesus bereits durchschritten hat.
Die Grundlage von allem ist Vertrauen.
Fehlt es, bleibt es bei der kurzen irdischen Existenz.
Ist es uns eigen, so unterliegen wir Gottes Erbarmen und Jesu Auferstehung, der der erste war und uns voraus gegangen ist.
Und Daniel sagt noch etwas anders: “die einen zum ewigen Leben und die anderen zu ewiger Schmach und Schande”! Die Auferstehung gilt also für alle, ob sie nun an Gott/Jesus glauben oder nicht. Doch macht das erstere einen gewaltigen Unterschied. Dieser Unterschied liegt in der Hoffnung auf Vergebung und Gnade, die den Menschen durch Jesus angeboten wird. Wer diese Annimmt gewinnt dadurch das ewige Leben. Und wer dieses Ablehnt gewinnt auch, aber eben ewige Schmach und Schande. Es ist eben nach dem irdischen Tod nicht alles vorbei, verschwindet unser Geist in der Dunkelheit. Sondern wir stehen am Anfang eines Neuen Weges; in welche Richtung wir ihm folgen hängt davon ab, ob wir unser Vertrauen ganz auf Jesus ausgerichtet haben.
Und dabei wollen wir auf Jesus schauen. Er hat gezeigt, wie der Glaubenslauf beginnt und wie er zum Ziel führt. Weil er wusste, welche Freude auf ihn wartete, hat er das Kreuz und die Schande dieses Todes auf sich genommen. Nun sitzt er an Gottes rechter Seite auf dem Thron. Hebräer 12,2 (NeÜ)
Inwiefern wirkt nun dieses Erbarmen Gottes in unseren Alltag hinein?
Sicherlich kennt ihr die Prophezeiung von den 144T Erstlingen, die Jesus folgen werden aus Off. 14, 1-5:
1) Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben auf ihrer Stirn. 2) Und ich hörte eine Stimme vom Himmel wie die Stimme großer Wasser und wie die Stimme eines lauten Donners, und die Stimme, die ich hörte, war wie von Harfenspielern, die auf ihren Harfen spielen. 3) Und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Wesen und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer den hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde. 4) Diese sind’s, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind jungfräulich; die folgen dem Lamm nach, wohin es geht. Diese sind erkauft aus den Menschen als Erstlinge für Gott und das Lamm, 5) und in ihrem Mund wurde kein Falsch gefunden; sie sind untadelig. (Off. 14, 1-5)
Ziemlich ernüchternde Verse wie ich finde.
Denn das klingt gar nicht danach, als könnte ich mich zu den 144T zählen?!
Obwohl ich jede Menge Vertrauen in Gottes Gnade habe.
In Offenbarung 7, 9ff finde ich mich wieder, denn hier steht dann:
9 Danach sah ich eine riesige Menschenmenge aus allen Stämmen und Völkern, Sprachen und Kulturen. Es waren so viele, dass niemand sie zählen konnte. Sie standen mit Palmzweigen in den Händen weißgekleidet vor dem Thron und dem Lamm 10 und riefen mit lauter Stimme: „Die Rettung kommt von unserem Gott, von dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm!“
und schlussendlich:
13 Dann fragte mich einer der Ältesten: „Weißt du, wer diese weißgekleideten Menschen sind und woher sie kommen?“ 14 Ich erwiderte: „Du musst es mir sagen, mein Herr, du weißt es.“ Er sagte: „Diese Menschen haben die größte Bedrängnis überstanden, die es je gegeben hat. Sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.
FWenn wir nun eine Linie über Römer, Epheser und das Kapitel 7 aus Off. ziehen, dann stellen wir fest, das diese zusammen gehören wie ein Paar Schuhe. Während Paulus in Römer und Ephemer beschreibt wie wir gerettet werden und wie die Gnade Gottes an uns wirkt, sehen wir in der Offenbarung was aus dieser Gnade entsteht. Der Vers 14 ist zentral, denn er zeugt und belegt eindeutig Luthers Gnadenlehre, ohne die wir verloren wären!
Luther hat sich also die Sola Gratia nicht einfach ausgedacht, sondern die Linien aus Römer 3, 28:
28 Denn wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Mensch durch Glauben für gerecht erklärt wird und nicht durch das Einhalten von Vorschriften.
Epheser 2, 8-9:
8 Denn aus Gnade seid ihr gerettet – durch Glauben. Dazu habt ihr selbst nichts getan, es ist Gottes Geschenk, 9 nicht euer eigenes Werk. Niemand soll damit angeben können.
und schließlich Off. 7, 14:
„Diese Menschen haben die größte Bedrängnis überstanden, die es je gegeben hat. Sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.
Zu der Erkenntnis verbunden, dass allein die Gnade uns zur Rettung befähig.
Das die Menschen von Vers 14 aus allen Völkern und Kulturen von Gott durch Jesus angenommen wurden zeigt Vers 9:
Sie standen mit Palmzweigen in den Händen weißgekleidet vor dem Thron und dem Lamm…
In Titus 2, 11 unterstreicht das Paulus nochmals:
Denn die Gnade Gottes ist jetzt sichtbar geworden, um allen Menschen die Rettung zu bringen.
Haa, da haben wir es ja!
Also doch! Für alle Menschen!
Und das macht Ostern so fantastisch. Das Erlösungswerk, von dem wir gerne so schwärmen, gilt für jeden, der sein “Gewand” durch das Blut Christi rein gewaschen hat, um im Bild zu bleiben.
Die Sache mit den 144T bleibt zum einen abzuwarten und zum anderen ist das ein Ding zwischen Gott und seinem Volk. Mancher interpretiert diese Zahl folgender Maßen:
12 Stämme Israels * 12 Apostel * 1000, die Zahl der Vielen (vgl. Off. 7, 5)
Ich kann mich dem nur z.T. anschließen, auch wenn ich das Zahlenspiel charmant finde. Doch kann mir nicht vorstellen, dass Gott mit sollen Symbolen zu spielen nötig hätte.
Dennoch, die Betonung der Erstlinge scheint mir ein Fingerzeig darauf zu sein, dass diese Gruppe die Ersten der Auferstehenden sein werden. Danach folgt die riesige, unzählbare Menge der gesamten Gemeinde Christi. Die so zahlreich sind, dass sie keiner schätzen noch zählen könnte.
Und das wiederum ist doch eine unglaublich positive Nachricht.
Denn es gibt derer keine Begrenzung, allein der Glauben rettet und diese Entscheidung fällt jeder für sich selbst und vielleicht noch grad auf dem Sterbebett. Es ist nicht ausgeschlossen.
FSo kann ich, noch vor meinem letzten Tag, für mich sagen, dass ich lieber das Lamm nehme. Den Hasen überlasse ich anderen ;)
Amen